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Die St.Michaels Kirche

Belgisches Viertel

Galerien und grüne Oasen

Das Neustadtviertel rund um die Kirche St. Michael hat ihren Namen von den vielen Straßennamen vor allem belgischer Städte. Zwischen Venloer Straße, Aachener Straße, Grüngürtel und dem Inneren Ring liegt es als sehr attraktive Wohngegend. Rund um den Brüsseler Platz lockt das Veedel als ein quirliger Raum für Leben und Nachtleben. Hier wohnen und arbeiten alle dicht an dicht: Haarspezialist „Kain Friseur“ genauso wie der Verein der „Haus und Grundbesitzer“, Komponisten und koreanische Köche, Condomi und Caritas, Kneipiers und Karnevalisten. Das Belgische Viertel ist beliebt. Zugegeben, historisch hat es außer einigen Patrizierhäusern kaum etwas zu bieten:

Neustadt eben, ganz ohne antike Funde wie in der Altstadt, wenn die Bagger mal wieder graben. Kulturell dagegen ist eine Menge los. Viele Galerien haben sich rund um den Brüsseler Platz angesiedelt, wo die neuromanische katholische Pfarrkirche St. Michael steht.
Das Belgische Viertel zog schon viele an, vor allem Imis und Studenten. Und auch wenn der Kölner als überaus tolerant gilt, es gibt für ihn spätestens dann Grenzen, wenn sich in ihrer Nachbarschaft auch noch eine Sekte ansiedelt. Der Journalist Helmut Schergel erinnert sich noch gut daran, wie hier in den 1980ern die rot gekleideten Bhagwan vergeblich versuchten, gleich das halbe Veedel aufzukaufen. Man habe ernsthaft vorgehabt, hier „ein europäisches Hauptquartier“ der Sanyasins zu etablieren. Der Spuk währte aber nicht lange, nachdem der Guru in den USA verstorben war.

Nicht nur die Weinlokale und internationalen Restaurants wirken anziehend, es gibt auch jede Menge Grünflächen. Dazu gehören die Wiesen am quadratisch angelegten Aachener Weiher, einem künstlichen See aus den 1920ern im Süden des Belgischen Viertels. Hier ist ein beliebtes Erholungsgebiet zum Sonnetanken, Grillen, Schmökern, Joggen und Kicken. Am Westufer des Weihers steht seit 1977 der erfrischend kühl wirkende Bau des Museums für Ostasiatische Kunst. Gebaut hat es der weltberühmte Architekt Kunio Mayekawa. Hier macht es Spaß, in ruhiger Atmosphäre auf der Terrasse direkt am Wasser einen Kaffee zu trinken. Und das Museum selbst hat auch einiges zu bieten, von der buddhistischen Plastik über chinesisches Porzellan bis zu japanischen Gemälden.

Der Brüsseler Platz

Nah ist auch der Melatenfriedhof, Kölns interessanteste Begräbnisstätte. Mit seinen teils aufwändig gestalteten Grabmälern ist er weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Die französischen Besatzer hatten ihn 1804 per „Kaiserliches Dekret über die Begräbnisse“  gegründet, damit hygienisch bedenkliche Bestattungen nicht mehr innerhalb der Stadtmauern stattfanden. Hier ruhen neben vielen anderen Kölnern auch so illustre Persönlichkeiten wie Nikolaus August Otto, der Erfinder des Ottomotors. Äußerst augenerweiternd ist die Inschrift am Haupteingang: „Transi non sine votis mox noster“ (Geh nicht vorüber ohne fromme Gebete, du, bald der Unsrige).

Fern ab vom Großstadttrubel und dem Röhren der Motoren ist der nahe Stadtgarten im Norden des Viertels. Neben dem Aachener Weiher ist er als grüne Oase gut besucht, denn er bietet Restaurant und Biergarten, eine Kneipe und auch eine Bühne für Rock, Jazz und Experimentelles. 

Tobias Büscher

 

1 Kommentar

Seite 1 von 1 1

#1 Donna schrieb am 12.04.2012 15:08

Oh ha, da wurde aber schlecht recherchiert.

Die korrekte Bezeichnung der "rot gekleideten" lautet Sannyasins und Bhagwan starb nicht in den USA, sondern 1990 als Osho in Pune, Indien. Wenn man die Augen richtig aufmacht sieht man auch noch heute die Spuren und den Einfluss der Sannyasins im Belgischen Viertel. Ein Beweis für die Kölner Vielfalt!

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