Nun wäre alles ganz wunderbar, der Kölner Stadt-Anzeiger würde morgens von selbst vor der Tür liegen, das 4711-Parfum käme ganz ohne menschliche Dienstleister in die Flaschen und die Examensarbeiten geplagter Studenten schrieben sich brillant im Schlaf, doch leider war da die Frau des Schneiders.
Die wusste zwar: Wichtelmänner erledigen nur unter der Voraussetzung jeden Job, dass keiner sie beobachtet und niemand sie stört. Doch die Neugierde überwog, wie die Heinzelmännchen denn so aussehen, ob sie vielleicht eine rote Mütze trugen oder vielleicht doch eine Tarnkappe ...
So streute sie hinterlistigerweise Erbsen auf die Treppe ihres Hauses, und als nachts die Männchen zum neuerlichen Schneidern ansetzen wollten, kugelten
sie über selbige die Stufen hinunter. Sie waren so schnell verschwunden, dass das Schneiderweib sie nicht einmal mehr sehen konnte. Und sie blieben verschwunden – ein für alle Male.
Die Kölner jammerten. Sie mussten plötzlich wieder arbeiten und das mochten sie gar nicht, denn Slogans wie „Jeder hat ein Recht auf Arbeit” und „Wir brauchen Vollbeschäftigung” fehlte damals jegliche Zugkraft.
Zum Andenken an die helfenden Zwerge ließ der „Kölner Verschönerungsverein” den Heinzelmännchen-Brunnen errichten und brachte daran den Text der ganzen Geschichte an. Ohne Hilfe, versteht sich.
Tobias Büscher
Originaltext
(wie er auf dem Heinzelmännchen-Brunnen zu lesen ist und von August Kopisch gedichtet wurde)
Wie war zu Köln es doch vordem
mit Heinzelmännchen so bequem!
Denn war man faul, man legte sich
hin auf die Bank und pflegte sich:
Da kamen bei Nacht,
ehe man’s gedacht,
die Männlein und schwärmten
und klappten und lärmten
und rupften und zupften
und hüpften und trabten
und putzten und schabten,
und eh’ ein Faulpelz noch erwacht,
war all sein Tagewerk – bereits gemacht!
Die Zimmerleute streckten sich
hin auf die Spän’ und reckten sich.
Indessen kam die Geisterschar
und sah was da zu zimmern war,
nahm Meißel und Beil
und die Säg’ in Eil’,
sie sägten und stachen
und hieben und brachen,
berappten und kappten,
visierten wie Falken
und setzten die Balken.
Eh’ sich’s der Zimmermann versah –
klapp, stand das ganze Haus – schon fertig da!
Beim Bäckermeister war nicht Not,
die Heinzelmännchen backten Brot.
Die faulen Burschen legten sich,
die Heinzelmännchen regten sich
und ächzten daher
mit den Säcken schwer
und kneteten tüchtig
und wogen es richtig
und hoben und schoben
und fegten und backten
und klopften und hackten.
Die Burschen schnarchten noch im Chor:
da rückte schon das Brot, das neue, vor!
Beim Fleischer ging es just so zu:
Gesell’ und Bursche lag in Ruh’;
indessen kamen die Männlein her
und hackten das Schwein
die Kreuz und Quer.
Das ging so geschwind
wie die Mühl’ im Wind.
Die klappten mit Beilen,
die schnitzten an Speilen,
die spülten, die wühlten
und mengten und mischten
und stopften und wischten.
Tat der Gesell’ die Augen auf –
wapp, hing die Wurst schon da zum Ausverkauf!
Beim Schenken war es so: Es trank
der Küfer, bis er niedersank;
am hohlen Fasse schlief er ein,
die Männlein sorgten um den Wein
und schwefelten fein
alle Fässer ein
und rollten und hoben
mit Winden und Kloben
und schwenkten und sengten
und gossen und planschten
und mengten und manschten.
Und eh’ der Küfer noch erwacht,
war schon der Wein geschönt und fein gemacht!
Einst hatt’ der Schneider große Pein:
der Staatsrock sollte fertig sein;
warf hin das Zeug und legte sich
hin auf das Ohr und pflegte sich.
Da schlüpften sie frisch
auf den Schneidertisch
und schnitten und rückten
und nähten und stickten
und fassten und passten
und strichen und guckten
und zupften und ruckten.
Und eh’ mein Schneiderlein erwacht,
war Bürgermeisters Rock – bereits gemacht!
Neugierig war des Schneiders Weib
und macht’ sich diesen Zeitvertreib:
streut Erbsen hin die andre Nacht.
Die Heinzelmännchen kommen sacht:
eins fährt nun aus, schlägt hin im Haus,
die gleiten von Stufen,
die plumpsen in Kufen,
die fallen mit Schallen,
die lärmen und schreien
und vermaledeien.
Sie springt hinunter auf den Schall
mit Licht – husch, husch, husch, husch – verschwinden all’.
Oh weh, nun sind sie alle fort,
und keines ist mehr hier am Ort:
man kann nicht mehr wie sonsten ruhn,
man muss nun alles selber tun.
Ein jeder muss fein
selbst fleißig sein
und kratzen und schaben
und rennen und traben
und schniegeln und bügeln
und klopfen und hacken
und kochen und backen.
Ach dass es noch wie damals wär’!
Doch kommt die schöne Zeit nicht wieder her.
Mehr zum Heizelmännchenbrunnen finden Sie hier.
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Gondelino Verlag, ISBN 3-8112-2042-X
Gruß
D. Reinhard
Kommentar
Ich suche den Verlag, der die Geschichte bebildert geschrieben hat.
Es war mein Kinderbuch.