Abgrenzung zu Köln – auch als Stadtteil
Dass die Stunksitzung ausgerechnet in Mülheim stattfindet, ist wohl kein Zufall. Schließlich betrachtete sich der nördlich von Deutz gelegene Stadtteil schon immer als etwas Besonderes. Schon im Mittelalter ärgerten sich die Kölner über diese Sonderstellung. Nachdem Mülheim die Stadtrechte und die Freiheit zugesprochen worden waren, versuchten sie drei Jahrhunderte lang immer wieder, die Mauern niederzureißen – ohne Erfolg. Die Konkurrenz wurde sogar noch stärker, als die strategisch planenden Mülheimer einen wirtschaftlichen Aufschwung herbeiführten.
Seit Mitte des 17. Jahrhunderts durfte man einen eigenen Markt veranstalten und lockte die Händler mit besonderen Freiheiten. Selbst die zweite schwere Naturkatastrophe konnte den Ehrgeiz der Mülheimer nicht brechen. Im Februar 1784 trat der Rhein weit über die Ufer und zerstörte fast alles in Mülheim, aber die Einwohner erholten sich relativ schnell. 1815 übernahmen die Preußen die Herrschaft in der Rheinprovinz und erklärten Mülheim am Rhein zur Hauptstadt des gleichnamigen Kreises, der sich bis Bergisch Gladbach und Overath erstreckte. Zahlreiche Industriebetriebe siedelten sich in Mülheim an und sorgten gemeinsam mit der Eisenbahn für eine wirtschaftliche Blütezeit.
Die Stadt wurde zunehmend unabhängig von Köln, doch die Politiker der linksrheinischen Metropole wollten genau das Gegenteil erreichen. Rund um den Dom war kaum noch Platz für die ständig steigende Zahl der Einwohner, so dass der Stadtrat eine Expansion am anderen Ufer anstrebte. In Deutz und Merheim hatten die Politiker leichtes Spiel, doch an Mülheim bissen sie sich die Zähne aus, obwohl sie den Druck deutlich erhöhten. Der Widerstand wurde erst 1913 durch Vermittlung des Regierungspräsidenten gebrochen, als man sich einstimmig auf einen Eingemeindungsvertrag einigte. Trotzdem musste Köln einen hohen Preis bezahlen, denn Mülheim handelte mehrere Bedingungen aus, mit denen es einen Teil seiner Selbstständigkeit behielt, und eine rund 4000 Mann starke Widerstandsgruppe ließ nicht locker. Die Mülheimer Bürger erzwangen eine weitere Abstimmung im Berliner Reichstag. Erst am 10. Juni 1914, kurz vor dem Beginn des Ersten Weltkrieg,s war Mülheim das, was es bis heute ist – ein Kölner Stadtteil, der eine kulturelle Vielfalt bietet und sich selbstbewusst präsentiert.
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Empfehle die Seite www.muelheimer-freiheit.net mit tagesaktuellen Nachrichten und Kulturnachrichten in Köln-Mülheim. mfg Rolf Bauerfeind