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Ein Kölner umrundet die Welt

– mit dem Motorrad einmal um den Erdball

Wie kommt man auf die Idee, mit dem Motorrad von Köln nach Kapstadt zu fahren? Der Kölner Finanzberater Joachim von Loeben ist ein Jahr lang mit seiner Africa Twin von der Domstadt aus quer durch Afrika gereist und hat darüber ein Buch geschrieben. Nun steht sein nächstes Abenteuer bevor: eine Weltumrundung, die natürlich wieder in Köln ihren Anfang nimmt. Bevor Joachim von Loeben am 1. Mai 2007 die rheinischen Gefilde für zwei Jahre verlässt, hat ihn Koeln-magazin.info zu seinen außergewöhnlichen Reisen befragt.

 




Joachim von Loeben

Joachim von Loeben ist 1971 geboren und in Hildesheim in der Nähe von Hannover aufgewachsen. Nach der Ausbildung zum Bankkaufmann und einem Wirtschaftsjurastudium arbeitete er bei Ford Financial in Köln. Schon während der Studienzeit entdeckte er seine Leidenschaft für das Reisen. Den Motorradführerschein machte Joachim von Loeben mit 26 Jahren während eines Auslandsaufenthaltes in Frankreich. Doch die Liebe zum Motorradfahren entwickelte sich erst später. Mit 33 Jahren brach er zu seiner ersten großen Fahrt über den afrikanischen Kontinent auf. Nach der einjährigen Auszeit machte sich der Weltenbummler schließlich als Finanzberater in Köln selbstständig.

 

Koeln-magazin.info:
Der Entschluss, Afrika mit dem Motorrad zu durchqueren, war eher spontan und kam für Ihre Familie und Freunde unerwartet. Wie haben sie auf die Pläne reagiert?

von Loeben:
Meine Idee stieß auf wenig Verständnis oder gar Begeisterung. Sowohl meine Freunde als auch meine Eltern und meine Schwester konnten mich nicht verstehen. Ich bin jedoch allen Hindernissen zum Trotz meiner Idee treu geblieben. Nur bei zweien meiner Freunde fand ich Zuspruch und moralische Unterstützung.
Trotzdem habe ich natürlich während der Reise Kontakt mit meiner Familie und den Freunden gehalten. Meistens lief die Korrespondenz über E-Mail, wenn ich mal die Gelegenheit hatte, einen PC zu nutzen. Schwierig und auch teurer war das Telefonieren. Ich hatte zwar mein Handy dabei, aber es gab selten eine ausreichende Netzabdeckung. Da musste ich zum Telefonieren auf die Apparate in Shops oder auch Telefonzellen zurückgreifen.




Katja Depelkoven von der Redaktion Koeln-magazin.info (links) mit Weltenbummler Joachim von Loeben (rechts) in den Redaktionsräumen

Koeln-magazin.info:
Nach Afrika fährt man ja nicht mal eben so, schon gar nicht mit dem Motorrad. Wie lang hat die Organisation gedauert?

von Loeben:
Insgesamt habe ich drei Monate intensive Vorbereitungen betrieben. Natürlich musste ich mich erst einmal gut über mein Ziel informieren. Also habe ich sämtliche Reiseführer aus der Bibliothek rauf und runter gelesen, um einen Eindruck von Afrika zu gewinnen. Außerdem waren viele bürokratische Angelegenheiten zu erledigen, wie Pässe und Zollgenehmigungen beantragen. Auch bei der jetzt anstehenden Reise ist die Vorbereitung ähnlich. Ich nehme zwar zum Teil andere Sachen mit und fahre eine etwas leichtere Maschine, aber im Grunde hat sich an der Art der Vorbereitung nichts geändert.




Joachim von Loeben mit seiner Africa Twin

Koeln-magazin.info:
Was hat Ihnen während der Reise auf dem schwarzen Kontinent besondere Schwierigkeiten bereitet?

von Loeben:
Es gab zwei Ereignisse, die mich fast zur Umkehr bewegt hätten. Das erste war ein Unfall in Kombolcha in Äthiopien. Ein Mann ist mir bei einer Geschwindigkeit von knapp 50 Stundenkilometern ins Motorrad gelaufen. Er lag blutüberströmt mit einer Kopfverletzung auf der Erde. Ich stand erst einmal unter Schock. Die aufgebrachten Menschen um mich herum beschimpften mich, niemand verstand eine mir bekannte Sprache. Über die Botschaft in Addis Abeba musste ich mir einen Anwalt vermitteln lassen. Glücklicherweise war alles nicht so schlimm wie es ausgesehen hatte. Der Mann konnte das Krankenhaus noch am selben Tag wieder verlassen.
Das zweite Mal, als ich ins Schwanken kam, zwang mich ein Schaden am Motorrad zu einem längeren Reisestop. Die nötigen Ersatzteile mussten in Deutschland bestellt werden. Die Reparatur war insgesamt ziemlich aufwendig. Ich musste mich entscheiden: Ausharren oder Aufgeben. Ich habe mich für die Fortsetzung meiner Reise entschieden. Ich gebe nicht gerne auf.

Koeln-magazin.info:
Auf einer Reise durch fremde Länder sammelt man viele Erfahrungen. Welche Erlebnisse haben Sie besonders beeindruckt?

von Loeben:
Für mich war die Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Menschen einfach überwältigend. Viele der Einwohner Afrikas, die mir begegnet sind, haben nur das Nötigste zum Leben. Trotzdem teilen sie ihre wenigen Güter mit anderen Bedürftigen. Als ich wieder einmal in ein äthiopisches Dorf einfuhr, strömten die Menschen herbei und baten mich um Geld. In ihren Augen sind Europäer immer wohlhabend. Als ich ihnen erklärte, dass ich selbst kein Geld hätte, schenkte mir ein sechsjähriger Junge von seinen Ersparnissen zwei Mangos. Ein anderes Mal bot mir eine Straßenverkäuferin 20 Mangos zu einem günstigen Preis an. Leider konnte ich keine 20 Mangos gebrauchen. Ich wollte ihr jedoch wenigstens eine Frucht für ein wenig Geld abkaufen. Da schenkte sie mir gleich vier Mangos.
In Afrika gilt: Wer mehr besitzt als seine Mitmenschen, der teilt mit ihnen. Und ich als Fremder wurde mit derselben Gastlichkeit empfangen und bekam häufig Lebensmittel geschenkt. Das hat mich sehr beeindruckt.





Neugierige Kinder in Südäthiopien (links), Konso und Hamer in äthiopischem Dorf (rechts)

Koeln-magazin.info:
Haben Sie noch Kontakt zu den Menschen, die Sie auf der Reise kennen gelernt haben?

von Loeben:
Ja, zu einigen wenigen. Kontakte verlieren sich leider häufig über die Zeit. Ich stehe noch mit einem Reisebürobesitzer aus Tunesien in Verbindung. Er hat mich sogar einmal in Köln besucht. Außerdem schreibe ich noch E-Mails mit einer spanischen Reisebegleiterin, die ich in einem afrikanischen Dorf während der Reise kennen gelernt habe.

Koeln-magazin.info:
Die Erfahrungen und Erlebnisse einer einjährigen Reise in einem völlig anderen Kulturraum können einen Menschen verändern. Wie haben Sie in Ihr altes neues Leben zurückgefunden?

von Loeben:
Es war sehr schwer. Da ich mir ein Sabbatjahr von meinem damaligen Arbeitgeber Ford Financial genehmigen lassen hatte, musste ich schon zwei Wochen nach meiner Rückkehr wieder in der Firma antreten. Außerdem wurde ich gleich an einem neuen Arbeitsplatz eingesetzt. Meine Freunde hatten sich während meiner einjährigen Abwesenheit verändert, so wie ich mich selbst auch. Manchmal hat es dann nicht mehr gepasst. Unsere Erfahrungswelten sind zu unterschiedlich geworden, man hat sich auseinander gelebt. Viele in meinem Bekanntenkreis hatten eigene Familien gegründet und damit andere Dinge, die für ihr Leben maßgeblich waren. Sowohl unsere unterschiedlichen Werte als auch die verschiedenen Erfahrungshintergründe entfernten uns voneinander. Wenige der alten Freunde zählen auch heute noch zu meinem engeren Bekanntenkreis. Ich lerne jetzt andere Menschen kennen als vor meiner Afrikatour. Die Freunde vor meiner Reise kamen aus meinem juristischen Studienumfeld und meinem Beruf als Betriebswirtschaftler und Finanzberater. Jetzt lerne ich mehr Abenteurer, Aussteiger und Weltenbummler kennen – nicht zuletzt auch wegen meinem Buch. Motorradfahren ist neben meiner Leidenschaft für ungewöhnliche Reisen zu meinem größten Hobby geworden. Vor der Afrikatour war ich ein eher ungeübter Fahrer.




Joachim von Loeben: "Es war sehr schwer nach meiner Rückkehr."

Koeln-magazin.info:
Sie stehen kurz davor, Ihre nächste lange Reise – die Weltumrundung – anzutreten. Was werden Sie bei dieser Tour anders machen?

von Loeben:
Ich fahre die gesamte Strecke zusammen mit Theo Schlaghecken, einem anderen 39-jährigen Motorradfan. Leider hatte die gemeinsame Fahrt durch Afrika mit meinem damaligen Begleiter nicht funktioniert. Die Chemie hatte nicht gestimmt. Mein jetziger Reisepartner hat mich nach Erscheinen meines Buches per E-Mail angeschrieben und gefragt, ob er bei der Weltumrundung mitreisen könnte. Wir haben uns im Vorfeld mehrfach getroffen, um uns etwas besser kennen zu lernen.
Außerdem unterstütze ich mit der anstehenden Tour mehrere karitative Projekte. Ich verkaufe über das Internet meine Reisekilometer – 10 Cent pro Kilometer. Das Geld wird auf einem Treuhandkonto gesammelt, und ich bringe es dann während meiner Reise um die Welt zu ca. 500 verschiedenen Institutionen wie beispielsweise Kinderheimen. Darüber kann man auf meiner Homepage www.triparoundtheworld.de mehr erfahren.

Koeln-magazin.info:
Die Welt kann man auf verschiedenen Wegen bereisen. Welche Route haben Sie gewählt und warum?

von Loeben:
Man kann die Route im Voraus nur grob planen. Die ersten vier Wochen stehen zwar schon im Detail fest, aber auch dabei muss man immer mit Änderungen und Anpassungen rechnen.
Die vorläufige Strecke verläuft von Deutschland über die Türkei nach Georgien und Armenien, dann über die arabische Halbinsel nach Pakistan. Danach geht es weiter nach Indien zum Himalaja, nach Südostasien und China. Dort setzen wir nach Nordamerika über und durchqueren den amerikanischen Kontinent von Nord nach Süd bis Feuerland. Von da aus wollen wir über den Westen Afrikas zurück nach Europa. Diese Route haben wir in erster Linie den Klimazonen angepasst. Wir folgen den warmen Temperaturen, denn Hitze ist auf dem Motorrad besser zu ertragen als Regen und Schnee. Außerdem sind die Straßen- und Sichtverhältnisse bei wärmeren Temperaturen meist besser. Natürlich nehmen wir bei der Streckenführung auch auf persönliche Vorlieben Rücksicht. Meine Highlights sind das Himalaja-Gebirge, Alaska, Kuba und Feuerland.




Geplante Route der Weltumrundung 2007-2009

Koeln-magazin.info:
Wie finanzieren Sie sich die Reise und was geschieht mit Ihren Verpflichtungen zu Hause, während Sie unterwegs sind?

von Loeben:
Ich zehre während der kommenden Tour von meinen Ersparnissen. Allerdings werde ich nicht umhin kommen, auch einen Kredit aufzunehmen, wenn ich bedenke, dass die einjährige Afrikatour 20.000 Euro gekostet hat. Meine Wohnung habe ich wie beim letzten Mal an einen Untermieter vergeben. Die Post erhalte ich per Nachsendeauftrag, und um die restlichen anfallenden Angelegenheiten kümmert sich meine Schwester, bis ich wieder da bin.

Koeln-magazin.info:
Gesundheit ist eine wichtige Voraussetzung. Wie gehen Sie während der Reise mit Krankheiten oder Verletzungen um? Welche Vorsorgemaßnahmen haben Sie getroffen?

von Loeben:
Man kann in einem gewissen Umfang Vorsorge betreiben. Ich habe natürlich eine Kranken- und eine Unfallversicherung abgeschlossen und mir sämtliche notwendigen Impfungen geben lassen. Trotzdem lassen sich Krankheiten und Unfälle nicht ausschließen. In Afrika lag ich beispielsweise mal zwei Wochen lang mit einer Virusinfektion im Bett. Ich bin gut informiert und habe selbst einige Erfahrungen gemacht bezüglich der Verhaltensregeln bei Lebensmitteln, Wasser und der Hygiene im Allgemeinen.

Koeln-magazin.info:
Wird die Weltumrundung der krönende Abschluss Ihrer langen Reisen sein oder sind weitere Touren in Planung?

von Loeben:
Es wird wahrscheinlich die letzte lange Tour sein. Kürzere Reisen von bis zu drei Monaten werde ich sicherlich auch weiterhin machen, ebenfalls zu eher ungewöhnlichen Reisezielen wie zum Beispiel dem Tschad. Damit möchte ich eher spezielleren Interessen nachgehen. Viele Länder habe ich ja bis dahin bereits durch meine Touren bereist. Außerdem möchte ich in naher Zukunft gerne eine eigene Familie gründen, da sind jahrelange Reisen nicht mehr angebracht.

 

Das Gespräch führte Katja Depelkoven von der Redaktion Koeln-magazin.info.



Joachim von Loeben, Jahrgang 1971, studierte Jura (2. Staatsexamen) und ist selbstständiger Finanzberater in Köln. Er überquerte 2004 per Motorrad den afrikanischen Kontinent und umrundet in seiner zweiten Biker-Tour ab Mai 2007 innerhalb von zwei Jahren die Erde.

 

Link zur Website von Joachim von Loeben: http://www.triparoundtheworld.de



Finanzberater, Buchautor und Weltenbummler
Joachim von Loeben




Joachim von Loeben
Atempause
200 Seiten
8 Farbfoto-Seiten
Highlights-Verlag
ISBN: 978-3-933385-36-9
EUR: 9,90

Im Sattel seines Motorrades "Africa Twin" durchquert Joachim Loeben den afrikanischen Kontinet von Nord nach Süd. Er trifft Menschen unterschiedlichster Hautfarbe und Abstammung, deren Gastfreundschaft und Herzlichkeit seine bisherigen Wertmaßstäbe in Frage stellen.



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