Tolerante und weniger tolerante Kirchenmänner
In der Nachkriegszeit leitete der bisher populärste Oberhirte das Kölner Erzbistum: Josef Kardinal Frings verstand die Nöte und die Sprache des einfachen Volkes und hatte von 1942 bis 1969 das Amt des Erzbischofs inne. Legendär ist seine Silvesterpredigt im harten Winter 1946, die wegen der Kriegsschäden am Dom in der Riehler Pfarrkirche gehalten wurde. Dort erlaubte er ausdrücklich den Diebstahl lebenswichtiger Güter, wenn damit der Bestohlene nicht selbst in eine Notlage gebracht würde. Der Erzbischof wörtlich: „Wir leben in Zeiten, da in der Not auch der Einzelne das wird nehmen dürfen, was er zur Erhaltung seines Lebens und seiner Gesundheit notwendig hat, wenn er es auf andere Weise, durch seine Arbeit oder durch Bitten nicht erlangen kann.“ Wobei die Pflicht des Einzelnen, später dafür Schadenersatz zu leisten, die Frings ebenfalls anführte, in der Legende meist unerwähnt bleibt. Seine Zuhörerschaft ergriff dankbar den gereichten Strohhalm und „fringste“ fortan allerorten Zuckerrüben, Weißkohl, Kartoffeln und Briketts – Letztere vor allem aus dem Niehler Hafen, wo die Züge aus dem Braunkohlerevier standen.
Sein Nachfolger, Joseph Kardinal Höffner, war von 1969 bis kurz vor seinem Tod 1987 Erzbischof der Stadt. 2003 verlieh der Staat Israel Joseph Höffner und dessen Schwester Helene den Ehrentitel „Gerechte unter den Völkern“ – die höchste Auszeichnung, die an Nicht-Juden vergeben wird. Der Titel geht einher mit der Verewigung ihrer Namen auf einer besonderen Mauer der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Diese Ehrung würdigte, dass die Geschwister während des Zweiten Weltkriegs verfolgten Juden Zuflucht gewährt hatten.
Nach Höffners Tod kam es zu einem zwei Jahre andauernden Machtkampf um dessen Nachfolge. Papst Johannes Paul II. wollte seinen langjährigen, kirchenpolitisch extrem konservativen Schützling Joachim Meisner in Köln eingesetzt sehen, das Domkapitel lehnte ihn jedoch ab. Nach einigen Turbulenzen wurde Meisner schließlich doch ernannt. Seine Amtseinführung im Februar 1989 begleiteten Aufsehen erregende Demonstrationen: In der „Kölner Erklärung“ machten über 160 Theologieprofessoren ihrem Unmut über den autoritären Führungsstil des Papstes Luft.
Doch nur kurze Zeit später drängten Ereignisse viel größerer Tragweite die Wahl des neuen Erzbischofs in den Hintergrund: Das deutsche Wintermärchen 1989/90 mit dem Mauerfall und der Wende wurde auch in Köln zum Thema Nr. 1. Nun war die Stadt als Medienstandort in erster Linie im Rahmen der Berichterstattung zu den neuen Entwicklungen gefordert.